Experiment geglückt – Fortsetzung folgt

Experiment geglückt - Fortsetzung folgt
Unser Großraumbüro namens Zoom

Unser Experiment ist geglückt und Fortsetzung folgt, denn der Termin steht schon in den Kalendern. Das Versuchsmodell „Unser Großraumbüro namens Zoom“ geht für uns in Serie und alle, die dabei waren, freuen sich schon darauf. So zumindest die erste Stimmungsabfrage. Aber was ist geschehen, dass wir in Serie gehen? Wer mehr wissen will, muss weiterlesen…

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Unser Experiment hat für jede(n) was

Was für unsere Kunden notwendig ist, soll für uns doch gern zur Kür werden. So lässt sich ein wenig die Stimmung beschreiben. Voller Vorfreude sind wir in unseren „Zoom-Co-Working-Space“ gestartet und wir wurden überzeugt.

Am Freitagnachmittag haben wir festgestellt: Experiment geglückt – Fortsetzung folgt und das wurde auch gleich in den Kalendern fixiert. Das nächste Co-Working wird gleich in dieser Woche stattfinden.

Was ist passiert, dass wir davon so überzeugt sind? Das Wichtigste war – es war für alle ganz einfach.

Punkt 08:30 Uhr öffnete sich der Co-Working-Space und wir trafen uns schon auf unterschiedlichen Tagesständen. Die einen beim ersten Kaffee, andere schon beim Frühstück und wieder andere schon vollständig arbeitsbereit, aber das war völlig egal. Ist im Büro ja auch nicht so viel anders.

Wie Menschen und auch wir nun mal so sind: erstmal quatschen, lästern, austauschen und fröhlich gemeinsam in den Tag starten.

Erste Regel des Experiments: Jede(r) kann, keiner muss

Schon beim Austausch entwickelte sich der Tag. „Was liegt denn bei Euch heute so an?“ war natürlich eine Frage, denn es gab ja kein festes gemeinsames Thema für den Tag. Aber eigentlich gab es das doch. „Ich muss meine Steuern machen“ war das Massenthema des Tages, aber unter uns, nicht jeder ist dazu gekommen oder hat es fertiggestellt…

„Was gibt es denn für Themen, wo wir auch was zusammen machen können, oder ihr den/die Anderen braucht?“ – auch das ein wesentlicher Austausch gleich am Beginn des Tages.

Also kurzerhand geklärt wer denn wo mitmachen will, ein bisschen Zeiten geplant und schon ging es los. Jeder konnte, aber niemand musste. Schließlich rief der eigene Schreibtisch und wir hatten allesamt unseren/einen Tag im Homeoffice. Daher bildeten sich unterschiedliche Grüppchen und das war für alle ok. Einfach so. Tolles Gefühl!

Zweite Regel des Experiments: Rein und raus, so wie es passt

„Ich muss dann und dann mal raus, da habe ich einen Call/Termin oder sonst was. Danach komme ich aber wieder“ – mit der ersten Aussage in diese Richtung entstand Regel Nummer 2. Auch der Zoom-Co-Working-Space ist keine zwingende Dauerveranstaltung.

Kommen und gehen gehört dazu, wenn wir denn den eigenen Arbeitsplan abarbeiten. Auch wer später erst dazu kam, nur kurz vorbeischaute, oder ganz schnell wieder weg war, war ein schöner Teil des Ganzen.

Auch das ging organisch ganz leicht von der Hand und war von allen Mitmachenden sofort akzeptiert.

Experiment geglückt - Fortsetzung folgt

Dritte Regel des Experiments: Videoarbeit geht auch still

Ich gebe ja zu, dass das meine wesentliche Befürchtung war: Dass sich irgendwie ein dauerhafter Geräuschteppich entwickelt, weil immer irgendwer sich austauscht, oder etwas reinruft, oder, oder, oder…

Aber nö! So, wie wir die gemeinsamen Phasen hatten, gab es auch die „Einzelphasen“, wo jede(r) still an seinen Themen vor sich hin arbeitete. Nur selten eine Frage, oder ein „bis gleich“, wenn denn jemand ausstieg. Videoarbeit geht also auch still.

Will als Phase aber auch „geplant“ bzw. zumindest angesagt sein…

Purer Luxus: die Anderen sehen

Wir kennen das alle. Du arbeitest an einem Thema, denkst über etwas nach und schaust in der Gegend herum. Was ist normal im Homeoffice.? Du bist allein. Mal der Blick aus dem Fenster, mal der schweifende Blick durch den Raum, aber das ist alles bekannt, 1000mal gesehen.

Im Experiment war das anders. Die Videos waren an, es gab etwas anderes zu sehen und wenn es nur war, dass jemand telefonierte und andere auch still mit gesenktem Kopf am Rechner fleißig waren. Jeder Blick auf die kleinen bewegten Bilder gab einen anderen Eindruck. Niemand war alleine, da war ein Team, da waren andere Menschen. Und die waren im Zweifel auch nur einen Mausklick entfernt. Nur das Mikro öffnen und schon war direkter Kontakt machbar. Purer Luxus im Homeoffice!

Vierte Regel des Experiments: Breakout-Room und telefonieren für Kleingruppen nutzen

„Können wir zwei mal kurz das und das klären?“ – auch das kennen wir alle. Im Büro gehen wir mal eben eine Tür weiter und stellen da die Frage. Niemand erwartet dabei, das der/die andere sofort bereitsteht, aber man geht mit einer Rückmeldung.

Das geht im Homeoffice nicht. Anrufen und dann darauf hoffen, jemanden zu erreichen und bestenfalls nicht zu stören, ist die einzige Chance, wenn man nicht per Email arbeiten will.

In unserem Großraumbüro war das einfach. Mikro auf, kurz fragen und Vorgehen vereinbaren. Fühlte sich an, wie sonst im Büro.

Genutzt haben wir dann beides. Breakout-Rooms oder das Telefonat. Und wieder der Luxus: Selbst beim Telefonat war der/die Andere zu sehen. Vor allem, die restliche Gruppe konnte in Ruhe weiterarbeiten.

Und hier auch mal nur unter uns: Es war schon lustig die Gesprächspartner ab zu mal beim Telefonat zu beobachten…

Wichtige Erfahrung dabei aber auch: Die Videokonferenz sollte mindestens zwei Gastgeber/Hosts haben, sonst wird der eine immer rausgerissen und trägt die Last der Organisation von Räumen. Aber auch das lässt sich ja gut im Tool organisieren.

Fünfte Regel des Experiments: Pausen zum Genuss machen

Ich gebe ganz ehrlich zu – so abwechslungsreich, wie im Experiment, waren meine Homeoffice-Pausen noch nie.

Angefangen mit dem „Bürosport“ zu Beginn des gemeinsamen Tages, über kleine Spielsequenzen bis hin zu kleinen gemeinsamen Pausen mit einfach ein bisschen quatschen (oder gemeinsam Essen). Auch die Unterbrechungen waren wertvolle Zeit und wir konnten wieder viel von einander lernen und erfahren. Quality Time im Homeoffice. Entschuldigung für die Formulierung, aber wie geil ist das denn?

Experiment geglückt - Fortsetzung folgt

Experiment geglückt – Fortsetzung folgt

Dieser Tag war nicht nur ein Experiment, für mich war er ein Erfolgsmodell. Zum Glück nicht nur für mich, sondern für alle Anderen auch. Daher gibt es eine Fortsetzung. Wieder am Freitag und wieder als Experiment.

Ein Experiment bleibt es, weil andere Teilnehmer:innen dazu kommen, weitere Regeln sich herausbilden, bisherige Regeln bestimmt verändert, angepasst oder verworfen werden.

Unser Großraumbüro namens Zoom bleibt für uns ein offenes Experimentierfeld. Und das ist gut so.

Ich freue mich darauf und bin gespannt, ob Ihr auch solche Erfahrungen gemacht habt.

Vielleicht habt Ihr ja auch noch Fragen zu anderen Dingen, die ich hier nicht niedergeschrieben habe.

Daher mein heutiger Call-to-Action: Schreibt mir Eure Erfahrungen oder Eure Fragen! Jetzt und direkt…

Ich freue mich darauf.

Eine erfolgreiche Woche wünscht Euch Euer

Björn Harder

Unser Großraumbüro namens Zoom

Unser Großraumbüro namens Zoom
Unser Großraumbüro namens Zoom

Morgen startet ein Experiment: Ein Großraumbüro namens Zoom. Ein Kollege hat zu dieser Idee eingeladen. Was das ist? Unser Großraumbüro namens Zoom im Detail…

Vor einigen Tagen erreichte mich eine Einladung eines Kollegen aus einem Beraternetzwerk. Er schildert seine Idee wie folgt:

„Hallo liebe Trainerkolleg:innen,

Gemeinsam verbunden und doch im Home-Office – am Freitag starten wir ein neues Experiment und laden Euch ein mitzumachen.

Idee/Hintergrund:

Mein Sohn arbeitet zur Zeit jeden Tag im Home-Schooling Office – er wählt sich morgens ein, schaltet sein Mikro stumm und nur dann an, wenn er was in der Gruppe sagen will und hört sonst zu bzw. bearbeitet seine Aufgaben. Gleichzeitig ist er über das Handy mit seiner Peergroup die gesamte Zeit verbunden und kann Fragen stellen, in den Pausen quatschen und ist so „allein und doch verbunden“. Irgendwie genial dachte ich.

Unser Experiment:

Am Freitag werde ich also um 8.30 Uhr meinen ZOOM-Account anschalten und jeder der mag, kann sich am Freitagmorgen mit einem PC einklinken. Ich hab was zu tun am Freitag, aber bin gerne ansprechbar und wir können mal gemeinsam in einem offenen Workspace arbeiten, vielleicht will sich ja auch spontan eine Gruppe in einen Workspace zurückziehen, dann stelle ich Euch oder mit mir einen Gruppenraum ein usw. – will einfach ausprobieren, wie das geht und freue mich, wenn wer mitmachen will. Es gibt hierfür keine Regeln, die erarbeiten wir uns live.“

Was für eine tolle Idee

Es ist so einfach und doch so faszinierend. Da muss ich dabei sein und ich werde dabei sein.

Schon häufiger habe ich in den letzten Monaten davon in meinen Beiträgen und Podcasts gesprochen, dass es anderer Formate bedarf, damit Menschen trotz Distanz Nähe erfahren. Dass wir Zusammenarbeit anders denken müssen. Dass Arbeit der Zukunft sich von Arbeitsweisen heute unterscheiden wird. Und dies ist so ein Format. Ein Großraumbüro mal ganz anders.

Ist doch kalter Kaffee werden jetzt vielleicht einige denken. Vielleicht machen das auch schon einige von Euch seit langer Zeit, aber ich ganz persönlich werde hier ganz eigene neue Erfahrungen sammeln und das macht das Ganze sehr spannend.

Videokonferenzen und Kollaboration auf Distanz – 1000 mal gemacht, aber hier quasi ohne konkreten Anlass, sondern vor allem einfach nur mit dem Hintergrund „allein, aber doch verbunden“, das habe ich noch nicht gemacht.

Unser Großraumbüro namens Zoom

Das Format erinnert mich an lang zurückliegende Zeiten in einem Großraumbüro. Nur ohne die Geräuschkulisse. Die Mikros werden ja aus sein und nur „bei Bedarf“ wird gesendet.

Aber was wird der Bedarf sein? Was wird Auslöser für Gespräche werden? Welche Dinge werden spontan entstehen? Allein nur wenn ich daran denke, fängt es an zu kribbeln und ich kann den morgigen Tag gar nicht abwarten.

Keine Regeln sind gute Regeln

Wir starten ein Experiment. Zumindest für uns. Wir wollen dieses Experiment nutzen, um Erfahrungen zu sammeln und zu schauen, was dieses Format, was unser Großraumbüro namens Zoom zu leisten imstande ist.

Aber bei mir war auch gleich die Frage im Kopf: Müssen wir dafür nicht zumindest eine kleine Grundmenge an Regeln haben? Klaus Kissel sagt in seiner Email ganz klar: Es gibt keine Regeln. Heute sage ich in vollem Bewusstsein: Das ist gut so.

Jede Regel vorab würde uns schon wieder in alten Bahnen denken und lenken lassen. Wir würden wieder alte Formate der Präsenz in die virtuelle Welt projizieren und Möglichkeiten, spontane Erfahrungen verhindern.

In einer meiner Ausbildungen hat der Referent immer gesagt „Trust the process“, also „vertraue dem Prozess“. Das fällt uns nicht immer leicht, weil wir nicht direkt die Kontrolle haben über das was passieren kann. Und wir haben gern die Kontrolle.

Aber dies ist aus meiner Sicht wieder so ein Moment für das Vertrauen und ich bin mir sicher, dieses Vertrauen, bei aller Unsicherheit, wird sich lohnen.

Wie sehr sich unser Großraumbüro namens Zoom sich gelohnt hat, wissen wir erst nach dem morgigen Tag. Die Ergebnisse unseres Experimentes könnt ihr nächste Woche an dieser Stelle lesen. Ich werde berichten.

Doch schon an dieser Stelle bin ich neugierig auf Eure Erfahrungen. Habt Ihr so etwas schon einmal gemacht. So oder so ähnlich?

Wenn ja, dann teilt doch Eure Erfahrungen mit mir. Was war gut? Was hatte Potenzial für Veränderung um gut zu sein? Ich bin wirklich neugierig auf Eure Rückmeldungen und Kommentare.

Und jetzt seid Ihr dran!

Eine erfolgreiche Zeit wünscht

Björn Harder

Give me my Corona

Heute ist es genau 6 Monate her, dass ich wegen Corona in den Lockdown musste. 6 Monate voller Erlebnisse, voller Erfahrungen, voller Gedanken und Handlungen. Langweilig war es auf alle Fälle nie. Ein ganz persönlicher Rückblick.

Wir schreiben den 16. März 2020 und bis heute ist das Jahr noch ohne besondere Vorkommnisse, wenn man mal vom allgemeinen Wahnsinn und der typischen hyperbeschleunigten Welt absieht. Aber heute wird etwas passieren, mit dem wir in Deutschland alle nicht gerechnet haben. Heute kommt er, der Lockdown, und es wird eine echte (hoffentlich einmalige) Erfahrung.

Die ersten 72 Stunden danach, habe ich heute unter „Erfahrungen“ abgebucht, aber unter denen der ganz krassen Sorte. 98% des Auftragsbestandes lösen sich buchstäblich in Luft aus, nein, werden nicht nur verschoben, sondern komplett gestrichen mit der Farbe rot. Nichts geht mehr.

Was dann kommt, ist Homeoffice, aber na ja, das stört mich ja nicht, das mache ich ja schon seit 5 Jahren und damit komme ich bestimmt gut zurecht. Spannend wird jetzt aber, dass wir ja alle zuhause sind. 4 Personen-Haushalt und jetzt auf unabsehbare Zeit erstmal gemeinsam gestalten.

Beruf, Ehe, Kinder, Schule, Abitur, Leben, Haus, Freunde, Eltern und vieles, vieles mehr will jetzt erst einmal organisiert, neu strukturiert, diskutiert und geplant sein. Darüber gehen dann schon mal die ersten 14 Tage hinweg. Geht doch schneller als erwartet, so eine Quarantäne.

Aber nach dem Chaos der ersten Tage – was kommt dann? Wie geht es jetzt weiter? Was kann ich tun, denn Arschbombe auf’s Sofa, Netflix an und bis zur Wiedereröffnung des Lebens streamen, ist so überhaupt nicht meine Welt.

Wird auch finanziell dann echt schwierig, also kreativ sein, Lösungen finden.

Wer will, findet Lösungen, wer nicht will, findet Ausreden – das bewahrheitet sich mal wieder. Schwupps sind die ersten Lösungen gestrickt und das Leben hat mich wieder. Auf anderen Kontaktwegen, als bisher, aber mit Blog, Podcast und intensiver Nutzung der Social Media Accounts lässt sich zumindest Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit generieren.

Was die private Seite betrifft, da bleibt es spannend, Homeschooling ist mit zwei Kindern rund um die Volljährigkeit eher kein Problem, aber ein Kind, das um seine Abiturprüfung bibbert, ist definitiv eine Herausforderung. Aber auch das lässt sich lösen und wie ich feststellen darf, ist mit 4 Personen gleichzeitig 4 Videokonferenzen führen bei unserer Datenleitung problemlos möglich. Gelobt sei die städtische Highspeed-Anbindung.

Dann wird es aber langsam zäh. Wir kommen gut mit uns zurecht und wir haben den Vorteil des mal „in den Garten gehen“-Könnens, aber immer nur gemeinsam auf dem Haufen stresst uns doch langsam und stetig. Aber auch dafür finden wir Lösungen und trotz aller Wirrnisse sind wir irgendwie auch froh uns alle mal ganz intensiv und auch länger wieder mal zu sehen.

Ich war wohl in 2019 etwas sehr viel unterwegs und jetzt kommen die Infos nachträglich zusammen – spannend so ein Familienleben quasi ohne Vater. Und vor allem es gibt wirklich viel zu erzählen – das füllt Abende ungemein.

Wir können auch endlich mal Dinge besprechen, die sonst immer zu kurz kommen, wir können Pläne schmieden für die berühmten „eigentlich’s“ und das Thema Heimwerken kommt auch nicht zu kurz – dafür haben wir denn nun auch wieder einen tollen Flurbereich vom Erdgeschoss bis in den ersten Stock. Familienleistung!

Und dann kommt es – die ersten Öffnungen und Lockerungen und prompt geht es auch los: Ein erster kleiner Auftrag, der auch mit Präsenz geht (endlich raus aus der reinen Online-Welt), das eine Kind macht sein Abitur, die Frau kann sporadisch mal ins Büro, das andere Kind hat mal Zeit ganz allein zuhause und kann darüber abschalten. Geht doch – da reichen schon kleine Dinge.

Der Rest ist dann einfach Schritt-für-Schritt-Entwicklung. Je mehr sich öffnet, desto mehr ist auch uns möglich und wir nutzen es in vollem Bewusstsein der Rückkehr des „normalen“ Lebens. Bewusst leben – jetzt hat diese Phrase auch für uns alle eine echte Bedeutung.

Vorsichtig etwas daraus machen, das ist jetzt die Devise, denn keiner will wieder das Rad komplett zurückdrehen.

Zwischenfazit, denn noch ist es ja nicht vorbei: Auch wir hatten unsere Herausforderungen und die hatten es dann auch gut in sich, aber im Kern sind wir gut durch die bisherige Phase gekommen. Vielleicht ist es auch der unverbesserliche Optimist in mir, der die Wolken rosarot färbt, aber es war schlimm und doch kein Weltuntergang.

Wie immer im Leben galt und gilt auch hier – Augen auf, sich mit Informationen versorgen, Alternativen ausarbeiten und aktiv gestalten. Was nicht klappt, wird anders neu versucht und aufgeben zählt einfach nicht. So waren 6 Monate Corona gut zu leben und es gibt auch immer noch Kraft für mehr.

Wir sind gespannt, wie es weitergeht und freuen uns auf ganz viele gesunde Tage und die Rückkehr in eine neue Realität, die wir bestimmt als wertvoller betrachten werden, da wir nun wissen, was wir bei allen Einschränkungen wirklich vermissen, wirklich brauchen und wieder zurückbekommen.

Führung in den nächsten 10 Tagen

Wir haben uns umgestellt und sind wieder voll im Arbeitsmodus.

Das ist sinngemäß der Satz, den ich derzeit bei meinen Kundengesprächen am meisten höre.
Ich will das hier nicht komplett in Frage stellen, aber ich gebe zu, dass ich bei dieser Aussage meist so meine leisen Zweifel habe.

Ja, es stimmt. Die Unternehmen haben auf die aktuellen Anforderungen reagiert. Krisenpläne haben gegriffen, Schutzmaßnahmen wurden umgesetzt, Aufgaben wurden (neu) verteilt, Online von zuhause arbeiten erlebt einen Boom wie in den letzten 10 Jahren nicht, obwohl die Technik uns das schon ermöglicht hätte. Das Organisatorische haben die Firmen jetzt im Griff.

Mit viel Leistungsbereitschaft und Herzblut sind die Mitarbeiter die Wege mitgegangen und haben sich auch auf die neuen Anforderungen eingestellt.
Jetzt ist doch alles gut, oder?
Jetzt ist doch wieder einfach weitermachen angesagt, die Aufregung kann sich legen…

Aber hat sich wirklich alles gelegt?
Was ist mit den persönlichen Ängsten bei Bedrohungen, die wir alle ganz individuell verspüren?
Was ist mit dem Single in seinem Homeoffice, dessen Kontakte sich auf das Telefon oder das Online-Meeting beschränken, der aber ansonsten mit sich und seiner Welt allein gelassen ist?
Was ist mit dem/der Alleinerziehenden oder dem Ehepaar mit Kindern, die jetzt den Spagat zwischen Arbeit, Home-Office, Home-Schooling und Kinderbeschäftigung jeden Tag meistern?
Was ist mit der berechtigten Sorge um Eltern, Freunde, Bekannte und Verwandte, die vielleicht in Risikogruppen arbeiten oder zu Risikogruppen gehören?
Wie lange können Menschen dieser außerordentlichen Situation widerstehen oder wie werden sich Launen, Leistungsfähigkeit und auch Leistungswillen entwickeln – sprich wie wird sich Führung mit der weiteren Entwicklung befassen müssen.

Bislang gilt die Aussage, dass mit dem 20. April 2020 eine Rückkehr zur Normalität in Aussicht steht. Noch weiß aber niemand, ob das wirklich hält.
Legen wir dann auch einfach wieder den Schalter um und alles ist wie vorher?
Machen alle Geschäfte, Unternehmen, Gaststätten usw. sofort wieder auf und wir kehren zum gewohnten Alltag zurück?
Keine Kurzarbeit mehr, keine medizinischen Sorgen mehr – alles ist wieder gut?

So wird es selbst im besten Fall sicher nicht laufen – da muss ich gar nicht als Pessimist die Fahne des Bösen nach oben halten. Der Einschnitt ist aktuell zu tief – ein Exitplan liegt derzeit noch nicht vor, aber wir werden erst über längere Zeiträume Schritt für Schritt in das „normale“ Leben zurückkehren. Das heißt auch, dass wir in vielen Lebensbereichen weiter mit den Anforderungen werden umgehen müssen.

Führung wird sich daher in den nächsten Tagen mit den Abnutzungserscheinungen beschäftigen müssen.
Die Neugier auf die neuen Möglichkeiten, die Freude über die erlangte „Freiheit“ im Homeoffice, die Ideen zum Beschäftigen der Kinder – alles das und vieles mehr wird in den kommenden Tagen und Wochen abnehmen.
Das Frustrationspotenzial, die Einsamkeit, eine Überforderung in anderer Hinsicht als bisher wird zunehmen. Jeder Mensch wird in ungebremster Weise intensiv auf sich selbst zurückgeworfen werden.
Das ist zumindest meine vorsichtige Prognose.

Aber ich bin auch zuversichtlich. Schon heute machen Führungskräfte hier ganz viel richtig:

  • Wie-geht-es-uns-Runden zu Beginn von Meetings
  • kurze Einzelgespräche mit Mitarbeitern, um auch individuell zu reagieren
  • Thematisieren von emotionalen Aspekten, die vorher nicht angesprochen wurden
  • Erhöhung der Kommunikationsfrequenz mit jedem Mitarbeiter
  • uvm.

Das alles ist richtig und wichtig und abhängig von der Führungsspanne wird das eine Führungskraft auch zeitlich darstellen können. Aber eben auch nur, wenn Sie selbst genügend Kraft, Zuversicht und Antrieb hat – auch die Führungskraft ist „nur“ Mensch und ja nicht abgekoppelt von seiner/ihrer privaten, persönlichen Seite und deren Einflüssen.

Sind also Führungskräfte nur aus sich selbst heraus in der Lage mit allem fertig zu werden, was sich Ihnen als Herausforderung zeigt?
Bestimmt ja, aber bestimmt auch nicht.

Ja, jede Führungskraft hat wieder eine Führungskraft, die sich ja um sie kümmern soll und kümmert. Aber irgendwann ist diese Kette auch zu Ende.
Auch ist das Handwerkszeug nicht bei jeder Führungskraft so umfangreich, dass auch für jedes Thema die passende Reaktionsfähigkeit gegeben ist.
Die Themen sind vielschichtig und was ist mit privaten Umständen?
Kann hier der beruflich Vorgesetzte helfen?
Soll das überhaupt mein Ansprechpartner sein?

Wie so vieles in unserem Leben ist diese Situation nicht trivial. Es ist ganz normal im Leben, dass unser bisher erlerntes Instrumentarium in unbekannten Lagen versagen kann.
Wir müssen dann neu lernen, Neues erfahren.

Das geht aber nur selten „aus dem eigenen Saft“ heraus. Es braucht auch externe Impulse, Wissen von außen, um hier den Entwicklungsschritt zu machen.
Die Nutzungsfrequenz von kostenlosen Angeboten von Beratern, Coaches und Trainern zeigt, dass hier Bedarf ist – ganz häufig sind diese Angebote ausgebucht, die besprochenen Themen sehr vielfältig und häufig absolut individuell.
Die Menschen, die Hilfe bekommen haben, sind häufig sehr dankbar und wir reden hier über alle Etagen der Hierarchie über alle Branchen hinweg.

Jedes Unternehmen schaut jetzt zurecht auf’s Geld. Budgets müssen und werden auch umgeschichtet. Das ist alles auch richtig und notwendig.

Mein Rat ist aber – sparen Sie jetzt nicht an den falschen Stellen.
Ihren Führungskräften kommt gerade jetzt eine extrem wichtige, aber auch absolut herausfordernde Aufgabe zu.
Stellen Sie Ihren Führungskräften die Möglichkeit an die Seite Hilfe in Anspruch zu nehmen, stellen Sie auch dafür ein Budget zur Verfügung.

Wir, das Team der managementberatung björn harder, stehen Ihnen gern zur Verfügung, wenn Sie hier Hilfe brauchen oder auch erstmal nur laut denken wollen, wie so ein Angebot für Ihr Unternehmen aussehen kann. Sprechen Sie mich einfach an.

Bleiben Sie gesund und erfolgreich!