Give me my Corona

Heute ist es genau 6 Monate her, dass ich wegen Corona in den Lockdown musste. 6 Monate voller Erlebnisse, voller Erfahrungen, voller Gedanken und Handlungen. Langweilig war es auf alle Fälle nie. Ein ganz persönlicher Rückblick.

Wir schreiben den 16. März 2020 und bis heute ist das Jahr noch ohne besondere Vorkommnisse, wenn man mal vom allgemeinen Wahnsinn und der typischen hyperbeschleunigten Welt absieht. Aber heute wird etwas passieren, mit dem wir in Deutschland alle nicht gerechnet haben. Heute kommt er, der Lockdown, und es wird eine echte (hoffentlich einmalige) Erfahrung.

Die ersten 72 Stunden danach, habe ich heute unter „Erfahrungen“ abgebucht, aber unter denen der ganz krassen Sorte. 98% des Auftragsbestandes lösen sich buchstäblich in Luft aus, nein, werden nicht nur verschoben, sondern komplett gestrichen mit der Farbe rot. Nichts geht mehr.

Was dann kommt, ist Homeoffice, aber na ja, das stört mich ja nicht, das mache ich ja schon seit 5 Jahren und damit komme ich bestimmt gut zurecht. Spannend wird jetzt aber, dass wir ja alle zuhause sind. 4 Personen-Haushalt und jetzt auf unabsehbare Zeit erstmal gemeinsam gestalten.

Beruf, Ehe, Kinder, Schule, Abitur, Leben, Haus, Freunde, Eltern und vieles, vieles mehr will jetzt erst einmal organisiert, neu strukturiert, diskutiert und geplant sein. Darüber gehen dann schon mal die ersten 14 Tage hinweg. Geht doch schneller als erwartet, so eine Quarantäne.

Aber nach dem Chaos der ersten Tage – was kommt dann? Wie geht es jetzt weiter? Was kann ich tun, denn Arschbombe auf’s Sofa, Netflix an und bis zur Wiedereröffnung des Lebens streamen, ist so überhaupt nicht meine Welt.

Wird auch finanziell dann echt schwierig, also kreativ sein, Lösungen finden.

Wer will, findet Lösungen, wer nicht will, findet Ausreden – das bewahrheitet sich mal wieder. Schwupps sind die ersten Lösungen gestrickt und das Leben hat mich wieder. Auf anderen Kontaktwegen, als bisher, aber mit Blog, Podcast und intensiver Nutzung der Social Media Accounts lässt sich zumindest Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit generieren.

Was die private Seite betrifft, da bleibt es spannend, Homeschooling ist mit zwei Kindern rund um die Volljährigkeit eher kein Problem, aber ein Kind, das um seine Abiturprüfung bibbert, ist definitiv eine Herausforderung. Aber auch das lässt sich lösen und wie ich feststellen darf, ist mit 4 Personen gleichzeitig 4 Videokonferenzen führen bei unserer Datenleitung problemlos möglich. Gelobt sei die städtische Highspeed-Anbindung.

Dann wird es aber langsam zäh. Wir kommen gut mit uns zurecht und wir haben den Vorteil des mal „in den Garten gehen“-Könnens, aber immer nur gemeinsam auf dem Haufen stresst uns doch langsam und stetig. Aber auch dafür finden wir Lösungen und trotz aller Wirrnisse sind wir irgendwie auch froh uns alle mal ganz intensiv und auch länger wieder mal zu sehen.

Ich war wohl in 2019 etwas sehr viel unterwegs und jetzt kommen die Infos nachträglich zusammen – spannend so ein Familienleben quasi ohne Vater. Und vor allem es gibt wirklich viel zu erzählen – das füllt Abende ungemein.

Wir können auch endlich mal Dinge besprechen, die sonst immer zu kurz kommen, wir können Pläne schmieden für die berühmten „eigentlich’s“ und das Thema Heimwerken kommt auch nicht zu kurz – dafür haben wir denn nun auch wieder einen tollen Flurbereich vom Erdgeschoss bis in den ersten Stock. Familienleistung!

Und dann kommt es – die ersten Öffnungen und Lockerungen und prompt geht es auch los: Ein erster kleiner Auftrag, der auch mit Präsenz geht (endlich raus aus der reinen Online-Welt), das eine Kind macht sein Abitur, die Frau kann sporadisch mal ins Büro, das andere Kind hat mal Zeit ganz allein zuhause und kann darüber abschalten. Geht doch – da reichen schon kleine Dinge.

Der Rest ist dann einfach Schritt-für-Schritt-Entwicklung. Je mehr sich öffnet, desto mehr ist auch uns möglich und wir nutzen es in vollem Bewusstsein der Rückkehr des „normalen“ Lebens. Bewusst leben – jetzt hat diese Phrase auch für uns alle eine echte Bedeutung.

Vorsichtig etwas daraus machen, das ist jetzt die Devise, denn keiner will wieder das Rad komplett zurückdrehen.

Zwischenfazit, denn noch ist es ja nicht vorbei: Auch wir hatten unsere Herausforderungen und die hatten es dann auch gut in sich, aber im Kern sind wir gut durch die bisherige Phase gekommen. Vielleicht ist es auch der unverbesserliche Optimist in mir, der die Wolken rosarot färbt, aber es war schlimm und doch kein Weltuntergang.

Wie immer im Leben galt und gilt auch hier – Augen auf, sich mit Informationen versorgen, Alternativen ausarbeiten und aktiv gestalten. Was nicht klappt, wird anders neu versucht und aufgeben zählt einfach nicht. So waren 6 Monate Corona gut zu leben und es gibt auch immer noch Kraft für mehr.

Wir sind gespannt, wie es weitergeht und freuen uns auf ganz viele gesunde Tage und die Rückkehr in eine neue Realität, die wir bestimmt als wertvoller betrachten werden, da wir nun wissen, was wir bei allen Einschränkungen wirklich vermissen, wirklich brauchen und wieder zurückbekommen.

Führung in den nächsten 10 Tagen

Wir haben uns umgestellt und sind wieder voll im Arbeitsmodus.

Das ist sinngemäß der Satz, den ich derzeit bei meinen Kundengesprächen am meisten höre.
Ich will das hier nicht komplett in Frage stellen, aber ich gebe zu, dass ich bei dieser Aussage meist so meine leisen Zweifel habe.

Ja, es stimmt. Die Unternehmen haben auf die aktuellen Anforderungen reagiert. Krisenpläne haben gegriffen, Schutzmaßnahmen wurden umgesetzt, Aufgaben wurden (neu) verteilt, Online von zuhause arbeiten erlebt einen Boom wie in den letzten 10 Jahren nicht, obwohl die Technik uns das schon ermöglicht hätte. Das Organisatorische haben die Firmen jetzt im Griff.

Mit viel Leistungsbereitschaft und Herzblut sind die Mitarbeiter die Wege mitgegangen und haben sich auch auf die neuen Anforderungen eingestellt.
Jetzt ist doch alles gut, oder?
Jetzt ist doch wieder einfach weitermachen angesagt, die Aufregung kann sich legen…

Aber hat sich wirklich alles gelegt?
Was ist mit den persönlichen Ängsten bei Bedrohungen, die wir alle ganz individuell verspüren?
Was ist mit dem Single in seinem Homeoffice, dessen Kontakte sich auf das Telefon oder das Online-Meeting beschränken, der aber ansonsten mit sich und seiner Welt allein gelassen ist?
Was ist mit dem/der Alleinerziehenden oder dem Ehepaar mit Kindern, die jetzt den Spagat zwischen Arbeit, Home-Office, Home-Schooling und Kinderbeschäftigung jeden Tag meistern?
Was ist mit der berechtigten Sorge um Eltern, Freunde, Bekannte und Verwandte, die vielleicht in Risikogruppen arbeiten oder zu Risikogruppen gehören?
Wie lange können Menschen dieser außerordentlichen Situation widerstehen oder wie werden sich Launen, Leistungsfähigkeit und auch Leistungswillen entwickeln – sprich wie wird sich Führung mit der weiteren Entwicklung befassen müssen.

Bislang gilt die Aussage, dass mit dem 20. April 2020 eine Rückkehr zur Normalität in Aussicht steht. Noch weiß aber niemand, ob das wirklich hält.
Legen wir dann auch einfach wieder den Schalter um und alles ist wie vorher?
Machen alle Geschäfte, Unternehmen, Gaststätten usw. sofort wieder auf und wir kehren zum gewohnten Alltag zurück?
Keine Kurzarbeit mehr, keine medizinischen Sorgen mehr – alles ist wieder gut?

So wird es selbst im besten Fall sicher nicht laufen – da muss ich gar nicht als Pessimist die Fahne des Bösen nach oben halten. Der Einschnitt ist aktuell zu tief – ein Exitplan liegt derzeit noch nicht vor, aber wir werden erst über längere Zeiträume Schritt für Schritt in das „normale“ Leben zurückkehren. Das heißt auch, dass wir in vielen Lebensbereichen weiter mit den Anforderungen werden umgehen müssen.

Führung wird sich daher in den nächsten Tagen mit den Abnutzungserscheinungen beschäftigen müssen.
Die Neugier auf die neuen Möglichkeiten, die Freude über die erlangte „Freiheit“ im Homeoffice, die Ideen zum Beschäftigen der Kinder – alles das und vieles mehr wird in den kommenden Tagen und Wochen abnehmen.
Das Frustrationspotenzial, die Einsamkeit, eine Überforderung in anderer Hinsicht als bisher wird zunehmen. Jeder Mensch wird in ungebremster Weise intensiv auf sich selbst zurückgeworfen werden.
Das ist zumindest meine vorsichtige Prognose.

Aber ich bin auch zuversichtlich. Schon heute machen Führungskräfte hier ganz viel richtig:

  • Wie-geht-es-uns-Runden zu Beginn von Meetings
  • kurze Einzelgespräche mit Mitarbeitern, um auch individuell zu reagieren
  • Thematisieren von emotionalen Aspekten, die vorher nicht angesprochen wurden
  • Erhöhung der Kommunikationsfrequenz mit jedem Mitarbeiter
  • uvm.

Das alles ist richtig und wichtig und abhängig von der Führungsspanne wird das eine Führungskraft auch zeitlich darstellen können. Aber eben auch nur, wenn Sie selbst genügend Kraft, Zuversicht und Antrieb hat – auch die Führungskraft ist „nur“ Mensch und ja nicht abgekoppelt von seiner/ihrer privaten, persönlichen Seite und deren Einflüssen.

Sind also Führungskräfte nur aus sich selbst heraus in der Lage mit allem fertig zu werden, was sich Ihnen als Herausforderung zeigt?
Bestimmt ja, aber bestimmt auch nicht.

Ja, jede Führungskraft hat wieder eine Führungskraft, die sich ja um sie kümmern soll und kümmert. Aber irgendwann ist diese Kette auch zu Ende.
Auch ist das Handwerkszeug nicht bei jeder Führungskraft so umfangreich, dass auch für jedes Thema die passende Reaktionsfähigkeit gegeben ist.
Die Themen sind vielschichtig und was ist mit privaten Umständen?
Kann hier der beruflich Vorgesetzte helfen?
Soll das überhaupt mein Ansprechpartner sein?

Wie so vieles in unserem Leben ist diese Situation nicht trivial. Es ist ganz normal im Leben, dass unser bisher erlerntes Instrumentarium in unbekannten Lagen versagen kann.
Wir müssen dann neu lernen, Neues erfahren.

Das geht aber nur selten „aus dem eigenen Saft“ heraus. Es braucht auch externe Impulse, Wissen von außen, um hier den Entwicklungsschritt zu machen.
Die Nutzungsfrequenz von kostenlosen Angeboten von Beratern, Coaches und Trainern zeigt, dass hier Bedarf ist – ganz häufig sind diese Angebote ausgebucht, die besprochenen Themen sehr vielfältig und häufig absolut individuell.
Die Menschen, die Hilfe bekommen haben, sind häufig sehr dankbar und wir reden hier über alle Etagen der Hierarchie über alle Branchen hinweg.

Jedes Unternehmen schaut jetzt zurecht auf’s Geld. Budgets müssen und werden auch umgeschichtet. Das ist alles auch richtig und notwendig.

Mein Rat ist aber – sparen Sie jetzt nicht an den falschen Stellen.
Ihren Führungskräften kommt gerade jetzt eine extrem wichtige, aber auch absolut herausfordernde Aufgabe zu.
Stellen Sie Ihren Führungskräften die Möglichkeit an die Seite Hilfe in Anspruch zu nehmen, stellen Sie auch dafür ein Budget zur Verfügung.

Wir, das Team der managementberatung björn harder, stehen Ihnen gern zur Verfügung, wenn Sie hier Hilfe brauchen oder auch erstmal nur laut denken wollen, wie so ein Angebot für Ihr Unternehmen aussehen kann. Sprechen Sie mich einfach an.

Bleiben Sie gesund und erfolgreich!