Welchen Weg werden wir nehmen?

Ausgelöst durch einen Artikel meines Kollegen Günter Wagner habe ich mich intensiver mit dem WhitePaper „Der Corona-Effekt“ des Zukunftsinstituts beschäftigt.
Hier werden 4 mögliche Zukunftsszenarien entwickelt, die beispielhaft darstellen, in welche Richtung wir uns als Gesellschaft und auch als Einzelner in einer Nach-Corona-Zeit entwickeln können.

Nachfolgend in aller Kürze die Darstellungen der Szenarien als Zitat aus dem WhitePaper:

Szenario 1 – Die totale Isolation: Alle gegen alle
Am Anfang war der Shutdown – und der Shutdown ist zur Normalität geworden.
Es ist normal, beim Betreten der Metro den Chip im Handgelenk zu scannen oder sich vor dem ersten Date gegenseitig die Gesundheitsdaten zu schicken. Es ist normal, bei der Ausreise eine Genehmigung zu brauchen, für Länder außerhalb der EU muss sogar ein langwieriges Visumverfahren durchlaufen werden. Der globale Handel gehört weitgehend der Vergangenheit an, die Handelsabkommen einzelner Staaten untereinander gewährleisten die Grundversorgung.

Szenario 2 – System-Crash: Permanenter Krisenmodus
Das Virus hat die Welt ins Taumeln gebracht, und sie kommt nicht mehr heraus.
Die Fokussierung auf nationale Interessen hat das Vertrauen in die globale Zusammenarbeit massiv erschüttert, eine Rückkehr zu den gewohnten Routinen ist nicht mehr möglich. Die Sorge vor einer erneuten Pandemie macht jede noch so kleine lokale Verbreitung eines Virus zum Auslöser drastischer Maßnahmen, von Grenzschließungen bis zur Ressourcenverteidigung. Das verlorengegangene Vertrauen in eine solidarische internationale Kooperation verhindert nachhaltig Stabilität. So wackelt sich die Welt nervös in die Zukunft.

Szenario 3 – Neo-Tribes: Der Rückzug ins Private
Nach der Coronakrise hat sich die globalisierte Gesellschaft wieder zurück zu stärker lokalen Strukturen entwickelt. Es wird mehr Wert denn je auf regionale Erzeugnisse gelegt, kleine Gemeinschaften entstehen neu und verfestigen sich – immer in vorsichtiger Abgrenzung gegen die anderen. Nachhaltigkeit und Wir-Kultur sind wichtige Werte, die aber nur lokal gedacht werden, nicht global.

Szenario 4 – Adaption: Die resiliente Gesellschaft
Die Weltgesellschaft lernt aus der Krise und entwickelt resiliente, adaptive Systeme.
Gesellschaftliche Tiefenströmungen in Richtung Postwachstum, Wir-Kultur, Glokalisierung und Post-Individualisierung, die bereits vor der Krise existierten, werden durch die kollektive Corona-Erfahrung von der Nische in den Mainstream katapultiert.

Wie bei allen Szenarien ist die Darstellung zur Verdeutlichung des erwarteten Wandels zugespitzt und erhebt keinen Anspruch auf eine „realistische“ Darstellung. Gerade dadurch hilft sie aber, Orientierung zu schaffen und Räume für ein neues, zukunftsweisendes Denken zu öffnen.

Whitepaper – Der Corona-Effekt – 4 Zukunftsszenarien, Zukunftsinstitut, Frankfurt/Main

Ich gebe zu, bei den Szenarios 1 bis 3 habe ich sehr kräftig geschluckt, nicht, weil ich Sie für überzogen oder unrealistisch gehalten habe, sondern weil ich sie in meinem Kopf nicht sofort widerlegen konnte. Diese Szenarios entsprechen so überhaupt nicht meinem Ansatz von einer positiven gesellschaftlichen Zukunft. Umso erschreckender finde ich, dass ich bei einem offenen Blick in die aktuelle Situation, die aktuellen Entscheidungen, persönlichen Reaktionen und Statements auch aus meinem direkten beruflichen und privaten Umfeld viele dieser Aspekte vorfinde oder die Entwicklung bereits erahne.

In einigen Realitäten, die wir heute vorfinden, sind genau diese Dinge auch schon verankert und die Stimmen, die fordern, dass dies auch weiterhin gilt, werden immer lauter.

Ja klar gilt es zu beachten, dass einige dieser Realitäten derzeit bewusst geschaffen worden sind, um den Schutz der Bevölkerung sicher zu stellen, um eine Pandemie nach besten Möglichkeiten unter Kontrolle zu bringen. Dies will ich auch keinesfalls schlecht reden. Aber alles hat seine Zeit!

Wenn ich jetzt in medizinischen Kreisen lese, dass Gesichtsmasken grundsätzlich Pflicht bei Infektionen aller Art werden sollten, auch bei normalen Grippewellen die Anweisung von Quarantäne aktiver und umfassend genutzt werden sollte, unser Innenminister davon redet, die Grenzkontrollen auf unbestimmte Zeit „verlängern“ zu wollen, Experten empfehlen, dass Visaanträge künftig mit Gesundheitszeugnissen unterlegt werden sollten, dann sind für mich die Szenarien 1 bis 3 nicht weit weg.

Nochmal, ich rede hier nicht von den kruden Mitteilungen irgendwelcher Verschwörungsfanatiker oder Rückwärtsgerichteter, die sowieso am liebsten wieder alte Zeiten zurück hätten. Diese Informationen kommen aus offiziellen Veröffentlichungen der Ärztekammern, des Innenministeriums und der medizinischen Berater unserer Bundesregierung – also keine Trump’schen Fake News oder alternative Wahrheiten.

Ja, auch ich bin für die Stärkung lokaler Strukturen, Senkung der Abhängigkeit von globalen Lieferketten, einer Veränderung des Konsumverhaltens, mehr Wertschätzung für erbrachte Leistungen in allen Bereichen unserer Wirtschaft und vieles mehr, was diese Szenarien auch beinhalten. Das kann, das muss Teil unseres Lebens werden, wenn wir auch in Zukunft alle gemeinsam auf dieser Welt existieren wollen.

Aber das andere erinnert mich, so leid es mir tut und so hart diese Formulierung jetzt auch sein mag, an Orwells 1984 und Zeiten zwischen 1938 und 1945. Ist das die Lehre die wir ziehen wollen?
Geschichte wiederholt sich, heißt es sicherlich zurecht, aber ich kann und will mir nicht vorstellen, dass sich diese Teile wiederholen und wir die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte auf den Kompost der Geschichte werfen.

Klar, wäre es ganz einfach auf „die Anderen“ zu schimpfen, darauf zu warten, dass der gesunde Menschenverstand unserer Politiker gewinnen möge o.ä., aber das ist mir zu kurz gedacht. NEIN, ich will hier auch keine Verschwörung oder Revolution in irgendeiner Weise anzetteln. Ich liebe unsere Demokratie!

Aber was kann ich tun, damit wir bewusst und zielgerichtet in das Szenario 4 steuern können, das ich für das einzig richtige halte? Diese Frage muss sich aus meiner Sicht jeder stellen, gerade wir Berater, Consultants und Coaches. Mit welchen systemischen Sichtweisen, Werten und Konzepten können wir arbeiten, um unsere Klienten zu bewegen, um diese in resilienter Form zu stärken für den arbeitsreichen und auch risikobehafteten Weg des Szenarios 4.

Vor allem welche Denkhaltung braucht es bei uns selbst, damit wir nicht selbst zum Verkünder und Betreiber der ersten drei Realitäten werden.

Für mich ist das die Denksportaufgabe der aktuellen Zeit für uns, die wir für uns in Anspruch nehmen, für unsere Klienten dasein zu wollen und das Beste für alle in Lösungen bringen zu wollen.

Ich bin für mich mit dieser Denksportaufgabe noch nicht durch, auch in mir stecken Gedanken, Wünsche, Ängste, die nicht unbedingt für die optimale Unterstützung des Szenarios 4 sprechen. Aber ich bin gewillt daran zu arbeiten, mich stets wieder selbst zu reflektieren, denn tief in meinem Inneren bin ich davon überzeugt, dass nur die Lösung 4 wirklich nachhaltig und zum Vorteil für die weltweite Gesellschaft sein kann.

Wie sehen Sie das? Lassen Sie uns gern diskutieren! Ich freue mich auf jede Rückmeldung.

Nur, was wir bewusst thematisieren, kann gezielt Wirklichkeit werden, also lassen Sie uns drüber sprechen – jeder an seiner Stelle, oder auch gemeinsam in Ihrem Unternehmen. Sprechen Sie mich/uns einfach darauf an.

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